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Der Schaukelstuhl



...gilt im allgemeinen als Sitzmöbel, ja sogar Wohnzimmerschmuckstück, das Gemütlichkeit und Zufriedenheit zu schaffen vermag. In der Etagenwohnung der Familie Büchler ist, wie alle, die das Stück damals miterlebt haben, sicherlich noch wissen, die Lage etwas anders. Ein besonders sperriges und unansehnliches Exemplar steht zumeist der gesamten Familie, besonders aber dem Seelenfrieden von Mutter Büchler (Brigitte Reuter), im Wege und ist auch sonst Anlaß für erhebliches Kopfzerbrechen. Die Kufen des stählernen Ungetüms ruinieren nicht nur den Fußboden (Möbelpacker Gottlob alias Murphy Pohl-Leifermann: „Linolum bleibt eben Linolum!“), sondern im Laufe der Zeit auch zusehends das Nervenkostüm jedes einzelnen Familienmitglieds.



In erster Linie Vater Büchler (Frank Sieber) hat unter den Rückschlägen, die bei der geplanten ‘Vom-Hals-Schaffung’ des Schaukelstuhls immer wieder auftreten besonders zu leiden. In diesem Zusammenhang sei noch einmal die nervenaufreibende Trägheit der beiden Beamten des lokalen Fundbüros (Andreas Bender und Murphy Pohl-Leifermann) und der Übereifer eines Hauptwachtmeisters (Carsten Jercke) bei der Aufklärung eines nächtlichen Mordes, in den Vater Büchler und Sohn Karl (Lars Friese) durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle verwickelt werden, in Erinnerung gerufen. Zur völligen Entnervung der Büchlers trägt schließlich die Vermieterin Frau Schneck (Ilka Leifermann) bei, die mit ihrer hysterisch-cholerischen Art den ‘Schrecken der Hausgemeinschaft’ darstellt. Nur Opa Büchler (Markus Leifermann, übrigens: „Gewagte Frisur“) erhält sich seine aus Bauernschläue und Begriffsstutzigkeit resultierende Gelassenheit. Er ist lediglich beim Gedanken an sein (leider gescheitertes) ‘Lebenswerk’, der Errichtung einer Bedürfnisanstalt, aus der Ruhe zu bringen. Letztendlich zerbricht an dem einfach nicht zu beseitigenden ‘Boomerang-Schaukelstuhl’ die gesamte Familie, deren einzelnen Mitgliedern Aufenthalte im Sanatorium oder Laufbahnen als Gammler schließlich reizvoller erscheinen, als ein weiteres Zusammenleben mit dem ‘Möbel des Grauens’, das auch durch den finalen großen Knall nicht kleinzukriegen ist.



Die beweglichen Wandelemente, die durch Eil-Umbauten zwischen den einzelnen Akten aus dem büchlerschen Wohnzimmer jeweils genormte deutsche Amtsstuben machten, stellten einen für unsere Verhältnisse bisher einzigartigen Bühnenbauaufwand dar, der für uns viel Arbeit und Hektik bedeutet hat, für den Sie, wertes Publikum, uns durch Ihr überaus zahlreiches Erscheinen, Ihren begeisterten Applaus und Ihre großzügigen Spenden allerdings mehr als entschädigt haben.



Carsten Jercke


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